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Sozialpsychologie – Phasen der Gruppenentwicklung

August 21, 2011 Jeschke Sozialpsychologie 1 Comments
Sozialpsychologie – Phasen der Gruppenentwicklung

Phasen der Entwicklung von Gruppen nach Tuckman – Teil I -

von C. Jeschke
(Original-Publikation: Jeschke (2009): Das Erleben und Verhalten eines Gruppenmitglieds in einer sich entwickelnden Theatergruppe. In: Psychologieunterricht (2009): Erleben und Verhalten in unserer medienorientierten Welt. Heft 42. o.O. Verband der Psychologielehrer.)Die vorliegende Unterrichtsstunde (Doppelstunde) fokussiert den für die Obligatorik (Zentralabitur NRW im Unterrichtsfach Psychologie 2011) geforderten Aspekt der Entwicklung von Gruppen (Leistungskurs).

Unterrichtliche Voraussetzungen

Die Unterrichtsstunde kann theoretisch losgelöst von inhatlichen Vorkenntnissen der Schülerinnen und Schüler durchgeführt werden, da die jeweiligen Fachbegriffe und Phasierungen in der Stunde selbst erarbeitet werden. Zum schnelleren Einstieg sind jedoch Kenntnisse zum “Gruppenbegriff” in Abgrenzung zur Menge und Masse, sowie Merkmale von Gruppen wünschenswert, aber nicht Voraussetzung. Für die Stunde selbst ist lediglich ein OHP für die Einstiegsfolie, eine Tafel sowie die Kopiervorlage im Klassensatz notwendig.

Vorschlag zum didaktisch-methodischen Vorgehen

Um insgesamt einen möglichst hohen Grad an Schüler/-innenaktivität zu erreichen, ist diese Unterrichtsstunde zur Erarbeitung der Theorie von Tuckman so strukturiert, dass sie zunächst deskriptive und reproduktive Anteile hat, um sich anschließend in einer kooperativen Arbeitsform vertiefend der Entwicklung der Theorie von Tuckman entlang einer authentischen Situation zu nähern. Die Arbeitsweisen sind stets so gewählt, dass sie im hohen Maße den eingeforderten Arbeitsformen des Unterrichtsfachs Psychologie entsprechen (vgl. MSW 1999, S. 13-15). Für diese Stunde sind introspektive Verfahren, die Erarbeitung wissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten anhand von Textanalysen, die Anwendung von psychologischen Theorien auf Alltagsphänomene und -problemstellungen beispielhaft zu nennen. Durch Wechsel, sowohl in den Sozial- als auch in den Arbeitsformen, kann eine hohe Unterrichtsbeteiligung in abschließenden Unterrichtsgesprächen oder beim gemeinsamen Entwickeln des Tafelbildes entstehen.

Möglicher Einstiegsimpuls

Zum Einstieg in die Stunde wird eine Folie aufgelegt, die eine 1. Schulklasse zeigt (zu erkennen an den Schultüten; entsprechendes CC-lizenzisertes Foto-Material z. B. unter flickr.com). Die Schüler/-innen beschreiben daran zunächst, was sie sehen, stellen Vermutungen zum Thema an und werden ggf. aufgrund möglicher vorausgegangener Stunden das Thema “Gruppe” erschließen bzw. selbst herleiten.

Mit dem Kommentar, dass auf dem – zunächst abgedeckten und jetzt gezeigten – zweiten Foto die gleiche Gruppe zu sehen ist (in einer Theateraufführung ca. ein Jahr später), stellen die Schüler/-innen abermals Vermutungen an und werden sinngemäß herausstellen, dass auf dem einen Foto eine “Gruppenanfangssituation” dargestellt ist, während sich auf dem unteren Foto die Gruppe bereits entwickelt hat. Das sinngemäß erschlossene Thema der Stunde z. B. “Phasen der Entwicklung einer Gruppe” sollte dann an die Tafel geschrieben werden.

Erarbeitungsphase

Es folgt die anschließende Erarbeitung der Theorie der Gruppenentwicklung nach Tuckman entlang einer authentischen Theatersituation in Gruppenarbeit (vgl. Kopiervorlage im 2. Teil).

Aus zeitökonomischen Gründen können die Schüler/-innengruppen durch Abzählen zusammengestellt werden. Selbstverständlich sind auch – gerade und im Besonderen innerhalb des Themas “Gruppe” – alle erdenklichen Formen der Gruppenerstellung möglich.

Der zu erarbeitende Text umfasst die Darstellung einer sich bildenden Theatergruppe, initiiert durch eine Annonce im Stadtanzeiger. Die Schüler/-innen werden inhaltlich verschiedene Phasen der Gruppenentwicklung erschließen und sollen die jeweils identifizierte Phase prägnant bezeichnen. Darüber hinaus werden die Schüler/-innen das Erleben und Verhalten der Gruppenmitglieder in dieser Phase herausstellen (vgl. nach Stangl 2008). Damit ist sichergestellt, dass den Schüler/-innen deutlich wird, dass mit jeder Entwicklungsphase der Gruppe auch Handlungstendenzen und verschiedenartiges Erleben immanent werden. Als differenzierendes Angebot können die Schüler/-innen, die nach der Erarbeitung bereits vor anderen die Aufgabe erarbeitet haben, sich der gezielten Frage widmen, welche wesentliche Leistung am Ende jeder Gruppenphase erreicht ist.

Ergebnissicherung

Im Anschluss erfolgt die Phase der Ergebnissicherung im gemeinsamen Unterrichtsgespräch bzw. können die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse vorstellen. Aufgrund der vielen Möglichkeiten der Antworten, die je Gruppe unterschiedlich ausfallen können, muss hier flexibel auf die Antworten der Schüler/-innen eingegangen und reagiert und müssen Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden. Gleichsam entsteht so, im Prozess und direkt “vor den Augen” der Schüler/-innen, das Ergebnis der Stunde in visualisierter Form (“Phasenmodell”).

Dadurch wird eine stringente Schüleraktivierung erreicht, denn zu jedem Zeitpunkt können sich die Gruppen “einschalten”, die Phasierung korrigieren oder ergänzen oder andere Aussagen, die z. B. in Konkurrenz zur eigenen Ausarbeitung stehen, darstellen. Die ursprüngliche Überschrift des Stundenthemas kann nun durch “Die Phasen der Entwicklung von Gruppen nach Tuckman (1964)” ergänzt werden.

Erfahrungsgemäß werden im Zusammenhang mit der Ergebnissicherung bereits umfangreichere Aspekte von den Schüler/-innen antizipiert, die entweder die eigene Lebenssituation betreffen oder es werden Themen der Folgestunden angesprochen. Diese sollen ebenfalls flexibel in das Unterrichtsgespräch integriert werden.

Sofern Themenblöcke antizipiert werden, die Themen der Folgestunden beinhalten oder zu umfangreich sind, kann ein “Themenspeicher” geöffnet werden, der den Schüler/-innen die Gewissheit gibt, dass ihre Themen nicht vergessen und in der Folge untersucht werden. Diese können an die Tafel geschrieben oder notiert werden. Im Anschluss an die Ergebnissicherung an der Tafel, erhalten die Schüler/-innen die Gelegenheit, das Tafelbild abzuschreiben bzw. zu ergänzen

Kommentare oder eine E-Mail zur Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Material wären – wie immer – nett, um das Download-Material entsprechend zu gestalten! Vielen Dank!

Literatur

  • Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg. 1999): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II. Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Psychologie. Frechen.
  • Stangl, Werner (2009): Gruppenphasen. In: Stangl, Werner (2009). http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Anfangsprobleme.shtml am 7. Feburar 2009

 

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'Ein Kommentar zu “Sozialpsychologie – Phasen der Gruppenentwicklung”'
  1. Lars says:

    Vorbildlich, dass hier immer soviel geschrieben wird.

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